→ Demokratie ohne Herrschaft & Das Ende der Arbeitsgesellschaft

Demokratie

 

Gerd Stange fordert in seinem Essay “Demokratie ohne Herrschaft & Das Ende der Arbeitsgesellschaft” wirkliche Demokratie, in der nicht eine Elite (Parteimitglieder und Lobbyisten) die Politik undemokratisch beherrscht und der Wirtschaftsbereich nicht einmal den Anspruch hat, demokratisch zu sein. Dabei strukturiert „die Wirtschaft“ unser Leben und bestimmt die Politik. Mit aller Gewalt versucht sie, die Arbeitsgesellschaft zu verewigen, deren Grundlagen sie selbst durch Maschinen abgeschafft hat.
Nur die Erfindung immer neuer Bedürfnisse hält die Schornsteine am Rauchen, und das Millionenheer von Arbeitslosen diszipliniert die Lohnarbeiter. Der Preis dieser Wirtschaft ist rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur, massloser Reichtum, Krieg und Elend. Wenn wir das herstellen, was wir brauchen, müssen alle nur noch 2 Stunden täglich arbeiten. Gerd Stange entwirft eine Demokratie, die von unten aufgebaut wird und nicht mehr den lebenslangen Arbeitskampf ums Dasein propagiert. Sie beruht auf Gemeingütern und Autonomie.

ISBN 978-3-943446-13-5
120 Seiten
€11,90

 

Leseprobe

Seit der französischen Revolution sind drei Begriffe gleichbedeutend mit Demokratie: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Gleichheit besteht als Propaganda, nicht als Prinzip, nicht einmal als Absicht. Jeder Einzelne kann vom Tellerwäscher zum Millionär werden, aber nicht jeder, weil es dann keine Tellerwäscher mehr gäbe. Davon werden umso mehr gebraucht, je mehr Millionäre es gibt. Warum aber muss das Kind vom Millionär nicht wieder als Tellerwäscher anfangen? Reichtum wird wie Armut vererbt. Viele Kapitalvermögen bestehen über Generationen, der Adel ist nicht entmachtet, sondern verfügt (selbst in Frankreich trotz der Revolution 1789, die den Adel bekämpfte) über riesige Besitztümer und gesellschaftliche Macht.
Gleichheit besteht nicht einmal vor dem Gesetz, denn die Anwaltskosten sind für die Urteilsfindung entscheidend. Je renommierter der Rechtsbeistand, desto wahrscheinlicher der Erfolg. Arme Menschen, wenn sie sich überhaupt vor Gericht wagen, erhalten einen unmotivierten Pflichtverteidiger, große Konzerne engagieren teure Anwaltskanzleien und erstreiten Milliarden-Entschädigungen. Selten geht es um Recht haben, meist um Recht bekommen, um die Auslegung von juristischen Spitzfindigkeiten und das Ausnutzen von juristischen Lücken.

Freiheit ist relativ und von der gesellschaftlichen Stellung abhängig, wer aus „bildungsfernen“ Schichten kommt, scheitert schon in der Schule, die Freiheit der Berufswahl ist ebenso beschränkt wie die Bewegungsfreiheit, die Wahl des Wohnsitzes oder der Speisen, die auf den Tisch kommen. Das Grundgesetz ist ausführlicher über die Freiheitsberaubungen und -beschränkungen als über die Freiheitsgarantien.

Brüderlichkeit meint Solidarität, Sozialität und Gemeinschaftssinn. Als Sozialismus oder Kommunismus wird sie diffamiert. Nirgends wird die Brüderlichkeit so vehement bekämpft wie in dem Musterland für Demokratie, den USA. Seitdem der Kommunismus in Russland zusammenbrach, gibt es keine Skrupel mehr. Falls aber China die USA kauft?

Demokratie ist wörtlich die „Herrschaft des Volkes“. Des ganzen Volkes. Also aller Menschen in diesem Volk, jede und jeder. Demokratie bezieht sich auf die Regelung des gesamten Gemeinwesens, der Gesellschaft. Jede und jeder Einzelne bestimmt gleichberechtigt mit allen anderen.

Eine Utopie? Nein, ein Ziel.