→ Reisen mit Verstand

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Reisen mit Verstand heißt bewusstes Reisen: sich aus dem eigenen Alltag zu lösen und wahrzunehmen, wo man sich befindet, um den Menschen, den Orten, der Landschaft, der Geschichte, der Kultur mit Respekt und Offenheit zu begegnen. In Auf den Wegen der Freiheit wird an ausgewählten Orten der Provence die Geschichte der im Widerstand organisierten Menschen während der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg 1940-1944 nachvollzogen. Die beschriebenen Wanderungen finden auf ihren Spuren statt, in die abgelegenen Landschaften ihrer Verstecke: das Vaucluse-Plateau mit seinen Lavendelfeldern und dem Kalkfelsen des Mont Ventoux im Hintergrund, die kargen Hochebenen des Contadour unterhalb der Montagne de Lure mit ihren alten Schafställen, das Plateau von Ganagobie über dem Durance-Tal sind Landschaften, die die Provence in ihren Farben, aber auch ihrer Einsamkeit und Wildnis sichtbar machen. Es werden zudem Ausflüge vorgeschlagen an die Mittelmeerküste, an die sich deutschsprachige Künstlerfamilien ins Exil geflüchtet hatten, und ihre Geschichte wird erzählt. Ein Reisebuch, das sich auch zu Hause auf dem Sofa zu lesen lohnt.

ISBN 978-3-943446-06-7
ca 100 Seiten
PREIS: 9.90 €

Herausgegeben wird der Reiseführer von dem Ferien- und Kulturzentrum Culture&Contact. Es führt seit 1997 Ferienkurse in der Provence durch, die in dieser Reihe mit ausführlicher Begleitung für das individuelle Reisen beschrieben werden.

 

Inhalt

1. Der Contadour und Banon: Schafställe auf windigem Hochland / Der Widerstand / Porträt: Jean Giono
2. Saint Saturnin lès Apt: Bergdorf im Schatten des Vaucluse / Die Verräterin / Exkurs: Der „freie” Süden
3. Ganagobie: Felsplatte über dem Fluss / Die Grotten der Maquisards / Porträt: René Char
4. Sanary sur Mer: Ein Wachturm am Mittelmeer / Künstler und Schriftsteller auf der Flucht / Exkurs: Exil
5. Les Milles: Eingesperrt bei Staub und Ziegeln / Zwei Schicksale: Lion Feuchtwanger, Walter Hasenclever
6. Marseille: Ein Hafen für Gestrandete / „Auslieferung auf Verlangen” / Porträt : Anna Seghers und Transit
7. Vers Pont du Gard: Steinbrüche für ein römisches Aquädukt / Geisterzug und Flucht / Erzählungen: Marie Courage, Die Stille über der Garrigue (Astrid Schmeda)

 

Leseprobe

Das Einreisevisum beantragte man in der jeweiligen Botschaft. Die USA waren damals schon nicht erpicht darauf, Kommunisten aufzunehmen, deshalb bedurfte es zum Beispiel für Lion Feuchtwanger (der nicht in der Kommunistischen Partei war) mehrerer hochgestellter Persönlichkeiten, die sich für ihn einsetzten. Unbekanntere Menschen hatten es wesentlich schwerer. Das Einreisevisum war nur ½ Jahr gültig. Es war Voraussetzung für das Transitvisum für Spanien , und dieses war Voraussetzung für das Transitvisum für Portugal .
Es brauchte viel Zeit und Schlangestehen, bis das geschafft war, für manche Botschaften musste man sich am Abend vorher schon anstellen. Hatte man diese Papiere zusammen, wollte die französische Regierung eine Devisenausfuhrgenehmigung der Banque de France sehen, bevor sie die Ausreisegenehmigung erteilte. Dafür brauchte man Geld, und das hatten viele Exilanten nicht mehr. Ohne Geld in der Tasche wurde man aber nirgends reingelassen. Dafür musste man sich an Hilfsorganisationen wenden, unter anderem an das Emergency Rescue Committee, eine amerikanische Organisation, die in Marseille von Varian Fry vertreten wurde. Nicht nur, dass es sehr viel Zeit brauchte, all diese Papiere zusammen zu bekommen, es liefen auch Genehmigungen ab, wodurch die darauf aufbauenden anderen Papiere wieder verfielen, und alles musste von vorne beantragt werde. In den Bestimmungen herrschte absolute Willkür, jeden Tag konnten offene Wege versperrt, neue Hindernisse gebaut, Visen ungültig erklärt werden.
Bei so viel Hilfsbedürftigkeit traten natürlich auch die Schwindler und Gauner auf den Plan. Es gab falsche Konsuln, die falsche Visa ausstellten, Schiffsgesellschaften, die Tickets verkauften, aber kein Schiff besaßen, Honorarkonsuln, die sich mit Salami bezahlen ließen.