→ Signe de vie

signe de vie, unterbelichtet, contra-bass, verlag

 

Viele Nachrichten gehen verloren, weil sie uns unangenehm sind. Andere erreichen uns zwar, auf ihrem Wege unterliegen sie jedoch so vielen Veränderungen durch die Art der Übermittlung, dass sie in ihr Gegenteil verkehrt werden oder verharmlost bei uns ankommen. Manches ist so ungeheuerlich, dass wir es schnell vergessen oder sarkastisch belachen. Gelegentlich merken wir, dass etwas nicht stimmt, ohne den Grund zu kennen. Die meisten Nachrichtenmacher werden zensiert oder sind so angepasst, dass sie brenzlige Informationen nicht weitergeben. Es gibt Ausnahmen, insbesondere im Internet, das auch in Deutschland eine wichtige Rolle für die Gegenöffentlichkeit spielt.

Die Finanzkrise ist eine ökonomische und politische Systemkrise, deren Auswirkungen bedrohlich sind. Die USA verlegen Truppen Richtung Iran und China. Deutschland ist nicht nur ein führender Waffen- exporteur, sondern hat sein Militär in eine Berufs- armee für Auslandseinsätze umgerüstet. Wir, die Herausgeber dieser Zeitschrift, leben in Frankreich und spüren, wie sich die Stimmung ge- gen Europa, den Euro und ganz besonders gegen Deutschland verändert. Brisanz hat die Situation Griechenlands, die alte Ressentiments gegen Süd- europäer wiederbelebt und einen Graben aufreisst. Das hat den Inhalt unseres Heftes bestimmt.

ISBN 978-3-943446-03-6
ca 60 Seiten
PREIS: 9.90 €

 

Inhalt Heft 1 – Unterbelichtet

Themenschwerpunkt ist Griechenland, weil Deutschlands Auftreten in Europa in vielen Ländern Erinnerungen an den 2. Weltkrieg wachruft. Griechenland hat besonders gelitten und ist nie angemessen entschädigt worden. Karl-Heinz Roth, Historiker, Mediziner und Vorstandsmitglied in der Stiftung für Sozialgeschichte hat zum Thema ein Gutachten über die Höhe der Kriegsschuld erstellt, das wir mit seinem Kommentar veröffentlichen. Zur augenblicklichen Stimmung in Griechenland auch ein aktueller Bericht von dem Berliner Politologen Stefan Lindner, der vor Ort war, in Athen. Der Hamburger Journalist Reiner Scholz schreibt über die verschiedenen islamischen Richtungen in Deutschland und rückt einige Vorurteile zurecht. Anton Scholz, Student aus Berlin, untersucht den Zusammenhang von Kunst und Kommerz, während Klaus Wörner, bildender Künstler aus Freiburg, den Zusammenhang zwischen Papst und Politik karikiert und den Kommerz künstlerisch geißelt. Der Kölner Journalist Thomas Pfaff zeigt uns Auswege aus dem real existierenden Kapitalismus, dessen Krisen dauerhaft geworden sind. Astrid Schmeda schreibt über den Unterschied zwischen Reisen und Tourismus. Weitere Artikel sind in Planung.

 

Leseprobe

Als sich die Deutschen ab Oktober 1944 aus Griechenland zurückzogen, hatten sie das Land nicht nur wirttschaftlich ruiniert, sondern auch weitgehend zerstört. Um das Ausmaß der Verwüstungen zu verstehen, müssen wir bedenken, dass es sich um eine vergleichweise kleine Nationalökonomie handelte, die die Deutschen dreieinhalb Jahre zuvor fast vollkommen intakt in ihre Gewalt gebracht hatten. In Griechenalnd erreichte der deutsche Dreischritt aus Raubwirtschaft, Terror und Vernichtung das Ausmaß des Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion. (…)
Nach der Befreiung begannen Wirtschaftswissenschaftler zusammen mit Fachleuten der Griechischen Nationalbank die ökono- mischen Folgen der Besatzungsherrschaft zu bilanzieren. Ihr Adressat war eine Interalliierte Reparationskonferenz der westlichen Siegermächte, die am 14. Januar 1946 ein Reparationsabkommen verabschiedete… Die Konferenz legte schließlich als Summe der zu leistenden Reparationen einen Gesamtbetrag von 7,1 Milliarden US-Dollar auf der Kaufkraftbasis von 1938 fest. (…) Unter Berücksichtigung der Kaufkraftkonstellation des Jahres 2010 beläuft sich somit die Forderung von Reparationen, die von Deutschland an Griechenland zu leisten sind, noch auf 104.719 Milliarden Dollar. Bei einem Wechselkurs des US-Dollar zum Euro in Höhe von 0.754 entspricht dies 78.958 Milliarden Euro. (Auszüge aus dem Gutachten von Karl-Heinz Roth zur deutschen Kriegsschuld an Griechenland).