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Titel_Reisefuehrer

 

Schriftsteller der Provence und ihre Städte : Marcel Pagnol wurde in Aubagne geboren. Er schuf die
provenzalischen Originale, wie sie heute noch gelten. Jean-Claude Izzo stammte aus Marseille, seine
Krimis geben Einblick in das Marseille der Mafia und des Drogenhandels. Jean Giono aus Manosque
propagierte ein Leben im Einklang mit der Natur, später griff er historische Themen auf, wie die
Cholera in der Provence. Thyde Monnier aus Marseille verbrachte viel Zeit in Manosque, da sie Giono
verehrte. Ihre Romane beschreiben das harte Leben auf dem Lande und die Anziehung der Stadt.
Pierre Magnan, in Manosque geboren, lebte in Forcalquier, sein spätes Werk beschäftigt sich mit den
Kriminalfällen der Provinz, wobei es ihm um das Sozialgefüge ging. Emile Zola verbrachte seine
Jugend in Aix en Provence, seine Freundschaft mit Cézanne und das bourgeoise Aix beschäftigten ihn
in Romanen weiter. Albert Camus kaufte sich ein Haus in Lourmarin, André Gide verbrachte seine
Kindheitsferien bei den Großeltern in Uzès.

ISBN 978-3-943446-09-8
ca. 120 Seiten
11,90 € Edition Contra-Bass (Hrsg.)

 

Leseprobe

Weltreisender zwischen den Fronten
André Gide

Der Vater von André Gide stammte aus Uzès, seine Vorfahren waren im sechzehnten Jahrhundert aus dem Piemont nach Südfrankreich ausgewandert. In seiner Familie wurde man Jurist, und so tat es auch Paul Gide, er wurde Professor für Rechtswissenschaft in Paris. Außerdem waren es Protestanten. Die Familie von Andrés Mutter Juliette Rondeaux war seit Anfang des 19. Jahrhunderts zum Protestantismus übergetreten, aber einige konvertierten dann wieder zum Katholizismus. Es waren begüterte Kaufleute aus Rouen.

Für André Gide, der 1869 in Paris geboren wurde, spielten diese Ausgangs-bedingungen sein gesamtes Leben lang eine große Rolle. In seiner Kindheit verbrachte die Familie Silvester in Rouen, die Osterferien bei der Großmutter in Uzès, die Sommerferien abwechselnd auf den Landsitzen der Familie Ron-deaux, wo er auch seine Cousins und Cousinen traf. André war Einzelkind. Mit sechs Jahren erhielt er Klavierunterricht und bekam Privatlehrer. Das Klavier und die Musik waren eine große Leidenschaft, aber er hatte zu Anfang keine guten Lehrer. Auch an der Reformschule „Ecole Alsacienne“ stieß er auf Lehrer, die unfähig waren. Sie verwiesen ihn für drei Monate von der Schule wegen „schlechter Gewohnheiten“, denn sie hatten ihn beim Onanieren erwischt. Der Arzt, zu dem seine Mutter ihn brachte, drohte mit Amputation. Das Schuljahr wiederholte er, entschied dann aber, extern mit Privatlehrern den Unterrichtsstoff zu lernen. Großen Einfluss auf ihn hatte die Bibliothek seines Vaters, die nur in dessen Beisein betreten werden durfte, und die Hausdame seiner Mutter, Anna Shackleton. Sie war eine gebildete Frau, die ihn unter anderem zur Botanik und Insektenkunde führte.

Sein Vater, den er sehr verehrte, starb an Tuberkulose, als er elf Jahre alt war. Seine Mutter zog mit ihm nach Montpellier, wo sein Onkel Charles mit seiner Familie lebte. Dort wurde er auf dem Gymnasium so von den Mitschülern gequält, dass er sich nervöse Ticks zulegte, um nicht zur Schule gehen zu müs-sen. Dies gelang ihm so perfekt, dass die Ärzte ein Nervenleiden feststellten und er viele Monate in Kurorten verbrachte. Die Mutter zog nach Paris zurück, wo André bei verschiedenen Privatlehrern Unterricht erhielt, und schließlich wieder in die Oberstufe der Ecole Alsacienne ging, sich aber zuletzt privat auf das Abitur vorbereitete, das er in der Wiederholung 1889 schaffte.

Seine Ferienerlebnisse in Uzès beschrieb er in seinem autobiografischen Text Si le grain ne meurt (auf dt.: Stirb und Werde):
Die uralte Großmutter, die immer Strümpfe strickte, ohne sie zu vollenden, seine Naturerlebnisse im Tal der Eure und in den Schluchten des Gardon, die Gemeinde der Protestanten, wie sie sich, alle mindestens so alt wie seine Großmutter, im Tempel zum Gottesdienst traf, um sich den neuesten Klatsch zu erzählen…
Sein Onkel Charles brachte es in Uzès zu einiger Berühmtheit als Gymnasiallehrer und indem er sich für das Wirtschaften in Kooperativen einsetzte und für einen sozialen Kapitalismus.

Sehr eindrucksvoll ist Gides Schilderung einer protestantischen Bauernfamilie in den Cevennen. André war nach Anduze gefahren, um einen Cousin zu besuchen, der dort in der Nähe Pfarrer war. Auf der Rückfahrt las er von Balzac den Cousin Pons und war davon so gefangen, dass er vergaß umzusteigen. So klopfte er an die Tür des einzigen Bauernhofes weit und breit und wurde besonders freundlich aufgenommen, da die Familie seinen Cousin kannte. Er wurde zum Abendessen gebeten und erlebte, wie der alte, hartgegerbte protestantische Großvater am Ende des Tages seine Andacht abhielt und die gesamte Familie, ihn eingeschlossen, segnete.